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von
Kai Ahlers
Die Geschichte der
Familie von Wendt aus dem kleinen Ort
Gevelinghausen, gelegen im Hochsauerland,
führt zurück bis in das Jahr 1796, als
Freiherr Engelbert von Siegen das Rittergut
Gevelinghausen mit Wiggeringhausen an
den Kurfürstlich Kölnischen Kammerherrn
Simon August Freiherr von Wendt-Papenhausen
verkaufte. Seit diesem Jahr war das Schloss
samt großen Ländereien im Besitz der Familie
von Wendt. Einige Generationen später,
im Jahre 1937 wurde Karl Josef Freiherr
von Wendt geboren. Sein Vater fiel 1942
im kurz darauf beginnenden 2. Weltkrieg
in Russland.
Im Jahr 1961 übernahm von Wendt im Alter
von 24 Jahren den gesamten Besitz in Gevelinghausen,
Wiggeringhausen, Schellenstein mit Gierskopp
und das Namensgut Papenhausen bei Lemgo
als Universalerbe. Insgesamt waren es
ca. 2500 ha Grundbesitz.
Eine seiner größten Vorlieben war der
Motorsport. Bereits seit dem Jahr 1959
fuhr er bis 1971 von Kart über Rally,
Tourenwagen, GT- und Sportwagen bis hin
zur Formel 3 sehr erfolgreich eine Vielzahl
von Rennen und Meisterschaften. Sportwagen
der Marke Porsche waren seine Welt. Seine
große Porschesammlung fand in den Nebengebäuden
seines Schlosses in Gevelinghausen Platz.
Er fuhr aber nicht nur selber sehr erfolgreich,
er ließ auch fahren. Er nannte ein sehr
erfolgreiches Team sein Eigen. Fahrergrößen
wie Jochen Neerpasch, Helmut Marko, Rolf
Stommelen, Willi Kauhsen oder Gerhard
Mitter zählten, neben ihm selbst, zu den
Stammfahrern. 1967 chauffierte von Wendt
als Porsche- Werksfahrer seinen Porsche
911 zum Europa-Titel.
Im gleichen Jahr gab es auch ein Modell
seines großen Traumes, dem Sauerlandring,
auf der Rennwagenschau in Dortmund zu
bestaunen. Karl-Josef von Wendt träumte
von einer großen Autorennstrecke, ähnlich
des Nürburgringes, in der Nähe von Gevelinghausen.
Die Planungen begannen bereits einige
Jahre zuvor. Sie schritten gut voran und
verschlungen bereits Unsummen an Geld.
Es schien auch alles sehr gut zu laufen.
Alle Pläne waren fertig, das Modell der
Rennstrecke war zu bewundern und auf jener
Ausstellung erhielten die 20.000ste und
25.000ste Besucherin je eine Jahreskarte
für alle Veranstaltungen auf dem Sauerlandring.
Doch leider konnten sie diese niemals
einlösen. Das 5 Millionen-DM-Projekt wurde
von 3 der 26 zuständigen Behörden des
Landes Nordrhein-Westfalen nicht genehmigt,
da das Sauerland als Erholungsgebiet für
jährlich ca.10 Millionen Bürger des Ruhrgebiets
dienen sollte.
Nach diesem großen Rückschlag beendete
er 1971 das Kapitel Motorsport für sich,
löste seinen Rennstall auf und konzentrierte
sich mehr auf seine Freizeiteinrichtungen
in Kanada und begann in diesem Jahr mit
Kutsch- und Planwagenfahrten durch das
Hochsauerland, ausgehend vom Schloss Gevelinghausen.
Ebenfalls baute er im Elpetal, nahe seinem
Schloss, eine Military-Strecke für den
Pferdesport und holte darauf hin auch
direkt die Europameisterschaft in das
Sauerland. Zudem wurde am jetzigen Standort
des Fort Fun Abenteuerlandes neben einem
Campingplatz auch ein Feriendorf mit 25
Blockhütten und einem Steakhouse eröffnet.
Passend hierzu ließ er sein Schloss zum
Hotel ausbauen und eröffnete dieses 1973.
Neben dieser Vielzahl an Aktivitäten nahm
er auch die Verpflichtungen als Stadt-
und Gemeinderat von Olsberg an und gründete
ebenfalls 1973 den Fremdenverkehrsverband
Sauerland, von dem er zehn Jahre lang
Vorsitzender blieb. Auch war er Vorstandsmitglied
des Motorsport Clubs „Oberruhr“ und leidenschaftlicher
Jäger.
Aber nicht nur der Motorsport faszinierte
von Wendt. Auch den Segelsport hatte er
für sich entdeckt. So war er gemeinsam
mit seiner Crew oft wochenlang auf See
und besegelte die Weltmeere. Bis zu seinem
Tod träumte er von einem 41- Fuß-Katamaran,
mit dem er dann in die Karibik entgleiten
wollte.
Da von Wendt ein sehr experimentierfreudiger
und freizeitliebender Mensch war, entwickelte
er gemeinsam mit der Firma Mannesmann-
DEMAG Fördertechnik die Superrutschbahnen.
Diese wurde 1972 gemeinsam mit dem Sessellift
und dem Bergrestaurant „Stüppelhütte“
eröffnet. Der Erlebnispark Fort Fun war
geboren. Doch leider wurde für die Entwicklung
der Superrutschbahnen, die wegweisend
für die Freizeitbranche waren, kein Patent
angemeldet, so dass es nicht lange dauerte,
bis seine Ideen von anderen Herstellern
aufgegriffen und vervielfältigt wurden.
Hierdurch sah er leider keinen einzigen
Pfennig und blieb auf den gesamten Kosten
der Entwicklung sitzen.
Aber auch der Erlebnispark brachte ihm
nicht viel Glück. Nach vielen interessanten
und kostspieligen Investitionen geriet
Fort Fun Mitte der 80er Jahre in finanzielle
Schieflage und die Banken erzwangen nun
Zug um Zug den Verkauf fast aller Besitztümer.
Auch das Schloss in Gevelinghausen war
davon betroffen. Der Freizeitpark „Fort
Fun“ wurde 1985 in einem gerichtlichen
Vergleichsverfahren an die beiden Unternehmer
Heinrich Koidl und Helmut Schreiber verkauft.
Nach diesem eher dunklen Kapitel in der
Geschichte der Familie von Wendt und verlassen
von vielen Menschen, die sich in besseren
Zeiten noch um ihn scharten, wanderte
er Mitte der 80er Jahre nach Kanada aus
und baute sich in der Provinz Quebec eine
neue Existenz auf. Bis zu seinem Tod betrieb
der Adelsmann als Softwarespezialist eine
Computerfirma. Vom Motorsport hatte er
ganz Abstand genommen und wieder mehr
Zeit in den Segelsport investiert.
Am 06. Februar 2006 verstarb Karl Josef
von Wendt im Alter von 68 Jahren nach
schwerer Krankheit auf einem kleinen Boot
in seiner Wahlheimat Kanada. Am Tage zuvor
hatte er noch vier Mal mit dem langjährigen
Ortsvorsteher von Gevelinghausen telefoniert
und sich regelrecht von ihm verabschiedet.
Er erahnte seinen baldigen Tod. Noch im
Herbst 2005 reiste von Wendt in das Sauerland
und mietete sich in Haardt eine Wohnung.
Er wollte die deutsche Staatsbürgerschaft
wieder erwerben.
Er war ein Mensch, der es nicht scheute,
trotz teils großer Probleme seine Träume
zu verwirklichen und seinen Mitmenschen
Gutes zu tun. Leider war sein Schicksal,
unternehmerisch zwar kühn zu denken, aber
ökonomisch die Zügel sehr locker zu lassen.
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