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von
Marcel Ringhoff
Was ist der Aufschrei
doch groß, als es heißt, das Phantasialand
reiße den Märchenweg am See ab. Traditionspuristen
sind der festen Überzeugung, man würde
in Brühl damit seine Seele verlieren,
einen Teil seiner Geschichte tilgen. Und
selbst bei den Anwohnern war und ist das
Projekt Wakobato nicht unumstritten; an
dieser Stelle sei einfach nur mal an das
„Bauschutt im See versenken“ und die noch
andauernden Lärmbeschwerden erinnert.
Als dann allerdings die ersten Konzepte,
und auch die aufwändig gestalteten Boote
für diese einem Splashbattle nicht unähnlichen
Bootsfahrt auftauchen, wird schnell klar,
dass im Phantasialand offensichtlich ein
weiterer Wachwechsel in Sachen Attraktionen
ansteht. Noch etwas später, als Wakobato
dann die ersten Testrunden dreht, ist
das Geschrei allerdings wieder groß –
im bildlichen Sinne, denn eigentlich soll
der Umstand der für den Unmut sorgt das
Geschrei eigentlich klein halten. Es geht
um die These, dass man bei einer interaktiven
Wasserfahrt auch grundsätzlich nass werden
und auch seine Mitreisenden nass machen
können muss. Allerdings, so der Ansatz
der Brühler Macher, wenn man jetzt tatsächlich
nass werden sollte, und vor allem andere
nass machen könnte, dann wäre das Geschrei
tatsächlich groß und man wieder beim Unmut
der Anwohner. Wie man es also macht, macht
man es garantiert verkehrt – könnte man
meinen.
Doch genau betrachtet hat man zumindest
meiner Meinung nach in Brühl alles richtig
gemacht. Neulich war ich aus eher beruflichen
denn bespaßenden Gründen mehrere Stunden
im Themenbereich Wakobato, und durfte
mich von den Vorzügen dieser Anlage persönlich
überzeugen. Erstens ist der Ansatz, eine
Wasserbootsfahrt zurück auf den Märchen-
pardon, Mondsee zu bringen, allein schon
aus traditionellen Gründen ganz hervorragend.
Noch heute vermisse ich die alte Wikingerbootsfahrt
aus alten Tagen, für die die Tretboote
nie ein rechter Ersatz sein konnten. Zweitens
ist der Bereich endlich wieder belebter
als zuletzt zu Märchenwegzeiten, ohne
aber seinen Charakter als Ruheoase im
Park zu verlieren. Und drittens ist Wakobato
nicht einfach nur schick, sondern sehr
detailverliebt, und mit interessanten
Gimmicks ausgestattet, gestaltet worden.
Allein schon die Idee, das alte Gebäude
des „Sumpfmucks“ zu erhalten und in den
Bereich mit einzubinden, kann man einfach
nur begrüßen. Hält man sich dann noch
vor Augen, dass mit der Minikletterchallenge
über ein bisschen Wasser vor allem Familienväter
ihre spielerischen Talente wieder entdecken,
dann kann man Wakobato mit Fug und Recht
als eine gelungene Gratwanderung bezeichnen.
Es ist nicht der große Punch wie zuletzt
mit Deep in Africa und Talocan. Aber das
braucht der alte Märchensee auch gar nicht,
um neues Leben eingehaucht zu bekommen.
So wie es jetzt ist, ist es auf den Punkt
richtig. Ganz ohne großes Geschrei...
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