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Vom 20. bis 22. Juli (ja, Donnerstag bis
Samstag) fand in Vorbasse wieder einmal
das größte Volksfest Dänemarks statt.
276 Jahre gibt es diese Veranstaltung
mit über 5 km Frontlänge nun schon und
sie erfreut sich noch immer großer Beliebtheit.
Zurückzuführen ist dies wohl auf die bunte
Mischung in Form von Tier-, Kram- und
Vergnügungsmarkt. Über 600 Krämer und
100 Tierhändler waren in dem kleinen Ort
südlich von Billund zugegen und nahmen
neben den Parkplätzen den größten Teil
des Geländes auf den Wiesen außerhalb
der Ortschaft ein. Letztendlich ist es
auch der Markt- und nicht der Fahrgeschäftteil
- der größte in ganz Dänemark -, der die
meisten Besucher anlockt.
Der Vergnügungsteil
wird von verschiedenen Tivoli-Unternehmen
bestückt, die in der Regel in Dänemark
autark ganze - wenn auch nicht gerade
große - Festplätze beschicken. Jedem der
Tivolis ist ein Teil des Platzes zugewiesen,
so dass er sich dort ausbreiten kann.
Fast schon erstaunlich war, dass es zu
keinen Dubletten bei den Fahrgeschäften
kam - von den drei Autoskootern mal abgesehen.
Die Tivolis mit Großfahrgeschäften seien
im Folgenden einzeln mit den Attraktionen
vorgestellt, die in Vorbasse präsentiert
wurden:
Kjærs Tivoli
Der Marktanteil von Kjærs Tivoli war eher
klein, so präsentierte das Unternehmen
dann auch nur zwei eigene Großfahrgeschäfte:
Autoskooter und Playball. Letzterer lässt
sich wohl am besten als eine Art Superbowl
beschreiben, der seltsame Geräusche von
sich gibt, aber sonst eine angenehme Fahrt
bietet. Direkt neben diesem war noch das
in Norddeutschland wohlbekannte Funhouse
Happy Family von Rüth zu finden, das einen
Abstecher nach Dänemark gemacht hat und
dort durch seine Größe auffiel.
Hernings Tivolipark
Ebenfalls mit nur zwei Hauptattraktionen
wartete Hernings Tivolipark auf, der zur
Zeit von Sten und Jan Andersen betrieben
wird. Gegründet wurde das Unternehmen
in den 60er Jahren von Viola und Verner
Andersen, die mit einer Schießbude, Spielautomaten
und Luftschaukeln anfingen. Die heutigen
Attraktionen sind ein wenig moderner;
präsentiert wurden ein Matterhorn von
Sobema, sowie der von Technical Park stammende
Streetfighter, der im Herbst auch immer
mal wieder in Schleswig- Holstein anzutreffen
ist.
Rahbecks Tivoli
Direkt zwischen Hernings und Kjærs hatte
das 1906 gegründete Unternehmen Rahbecks
Tivoli gebaut. Dessen Ursprünge gehen
auf Christian Rahbeck zurück, der mit
dem Karussell Nordstjernen Festplätze
in Dänemark und Norwegen beschickte. Dieses
wurde in den 60ern an einen Freizeitpark
in die USA verkauft, noch heute sind Karussells
jedoch der wichtigste Bestandteil von
Rahbecks Tivoli. Dies war auch in Vorbasse
zu erkennen: Round Up, Twist, Twister
und Polyp waren die Hauptattraktionen,
mit denen sich Niels Rahbeck präsentierte.
Dazu kam noch ein Autoskooter und die
Geisterbahn Spukschloss des deutschen
Schaustellers Hansla, welche wie Happy
Family durch ihre üppige Front ins Auge
fiel.
Dahlgårds Tivoli
Der größte Bereich des Vergnügungsparks
in Vorbasse wurde von Dahlgårds Tivoli
beschickt - passend, da das Unternehmen
selbst behauptet, das größte reisende
Tivoli in Dänemark zu sein. Gegründet
wurde es 1947 von Ejnar Dahlgård und wird
seitdem von der Familie geführt. Die in
Vorbasse präsentierten Hauptattraktionen
umfassen - wie auch bei den anderen Tivolis
vor Ort - nicht das gesamte Areal an Fahrgeschäften.
Ansehnlich war das Angebot aber auch so
schon. Neben einem recht seltsam aussehenden,
dreistöckigen Laufgeschäft und einem Autoskooter
fiel erstmal eine Geisterbahn aus italienischer
Produktion auf. Der Grund: Sie trägt den
Namen Geisterbahn, ist aber trotzdem in
Dänemark zu Hause. Des Rätsels Lösung
liegt darin, dass die Anlage zeitweise
vom norddeutschen Schausteller Rico Rasch
betrieben wird. Direkt daneben war noch
ein Scheibenwischer namens Jamaica zu
finden.
Drei weitere Fahrgeschäfte
komplettierten das Angebot auf dem Vergnügungsmarkt
in Vorbasse und sorgten dafür, dass die
Veranstaltung auch für denjenigen eine
Reise wert war, der eigentlich schon alles
kennt: Joker, Fast & Furious und ein Geschäft
ohne Namen. Beim Joker handelt es sich
um das Magic-ähnliche Fahrgeschäft von
CAH, mit dem zuvor kurzzeitig Lagerin
in Deutschland unterwegs war. Das Geschäft
war ein wenig abseits an der Schnittstelle
zum Krammarkt platziert, was für einen
etwas komplizierten Fahrtantritt sorgte.
Für die Geschäfte von Dahlgårds Tivoli
konnte man nämlich nur an zwei Zentralkassen
Chips kaufen, die sich jedoch beide in
gewisser Entfernung befanden. Die Fahrt
im Joker ist wohl am besten als Umhergeschwenke
zu beschreiben. Viel technischer Aufwand
mit wenig Effekt - manch eingelullter
Magen mag das jedoch ein wenig anders
sehen.
Der Kuriositäten-Award
hingegen geht ganz klar an Fast & Furious,
zumindest hieß das Geschäft noch so, als
es in Frankreich auf Tour war - ein Schriftzug
war nicht mehr zu sehen. Beschreiben lässt
sich die Anlage am besten als horizontale,
auf Schienen geführte Bungeekugel. Mittels
Seilwinde wird der Fahrgastträger (wahlweise
eine frei loopende Kugel, wie man sie
von Slingshots gewohnt ist oder ein starr
auf der Schiene sitzender Wagen) nach
hinten gezogen, wodurch die in der Mitte
der Schiene angebrachten Seile sich spannen.
Die eigentliche Fahrt ist dann schnell
vorbei: Es geht nur ein paar Mal vor und
zurück. Zugegeben, es sieht albern aus
und die Beschreibung lässt auch nichts
Gutes erwarten; aber das Ding kickt!
Kommen wir zum namenlosen Geschäft, das
gerade erst in der dänischen Kirmesszene
aufgetaucht ist. Es handelt sich hierbei
um einen Energy Rush von Moser Rides,
wie er auch kurzfristig im Frühjahr im
Mirabilandia stand - bis nicht zuletzt
Besucherproteste für einen raschen Abbau
gesorgt haben. Vielleicht handelt es sich
bei Dahlgårds Anlage sogar um genau jenes
Geschäft. Schon beim Anblick der Fahrt
ist klar, dass dieses Karussell nichts
für einen Familienpark ist. Und auch die
Vorstellung, bei einem Afterburner über
Kopf durch den Podiumsbereich geschleudert
zu werden, sollte dem einen oder anderen
Respekt einflössen. Ein persönlicher Test
ergab: 90 Sekunden in den frei loopenden
Gondeln reichen! Länger dauerte die Fahrt
zum Glück auch nicht.
Für den verwöhnten
Mitteleuropäer wirkt der Kirmesteil auf
dem Vorbasse Marked eher dürftig. Schuld
daran sind weniger die Großattraktioen,
sondern vielmehr der Standard der Buden
und die seltsame Preisgestaltung. Von
aufwändiger Gestaltung hält man in Dänemark
scheinbar nicht viel, die Spielbuden und
Verkaufsstände sind entsprechend einfach
und praktisch gehalten. Auch bei den Preisen
hat man sich an der Einfachheit orientiert:
25 Kronen - egal was; von der Tüte Popcorn
über eine Fahrt im Autoskooter und Entenangeln
bis hin zur horizontalen Bungeekugel.
Nur in der Gastronomie gab es dieses Mal
Abweichungen.
Zusammengefasst lässt
sich sagen, dass ein Ausflug nach Vorbasse
für all jene lohnt, die einmal die ausgetretenen
Pfade verlassen wollen und kein Problem
damit haben, dass der Standard dänischer
Tivolis nicht der höchste ist. Wenn man
das jedoch ignoriert, wird man mit seltsamen
und vor allem raren Attraktionen belohnt,
die durchaus Spaß machen.
Text:
Ralph Latotzki
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