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23. Juni 2006: Die Piratenflotte wird
im Rahmen einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit
übergeben. Vorausgegangen sind monatelange
Planungs- und Bauarbeiten, die für keinen
Gast mehr sichtbar sind, der nun diese
Attraktion im CentrO.PARK erleben kann.
In meiner Tätigkeit für den CentrO.PARK
habe ich dieses Projekt live miterlebt
und werde Euch einmal aus meiner Sicht
schildern, welche Höhen und Tiefen die
Projektentwicklung mit sich bringt.
Angefangen hat
alles im Frühjahr 2004 mit der Feststellung,
dass viele größere Kinder mit unseren
damals noch existierenden Bumperboats
sehr gerne gefahren wären. Leider ließen
es die kleinen Boote aber nicht zu, dass
Kinder über 1,10 m damit fahren. Der Grundgedanke
entstand, Bumperboats, wie man Sie aus
einigen Freizeitparks in Europa kennt,
zu kaufen und diese in einem Becken fahren
zu lassen. Wir haben uns dann auf die
Suche gemacht und sind auf diverse Typen
aufmerksam geworden, die fast alle in
Italien produziert werden. Die Boote haben
einen kreisrunden Schwimmschlauch und
bieten, je nach Hersteller, entweder einer
oder zwei Personen Platz.
Da Bumperboats
auch in den USA überaus beliebt sind,
habe ich dann die Recherche übernommen
und geschaut, welche Firmen dort solche
Boote herstellen. Dabei sind wir auf diverse
Firmen gestoßen, die teilweise auch Wasserkanonen
für die Boote als Zubehör anbieten, mit
denen sich die Fahrgäste gegenseitig abschießen
können.
Von dieser Idee
waren wir grundsätzlich sehr angetan und
fingen an zu überlegen, ob wir wirklich
ein eigenes Becken für die Attraktion
bauen sollten oder ob es nicht möglich
wäre, die Boote auf der Wasserfläche im
Park fahren zu lassen, die zu genüge vorhanden
ist und bisher ungenutzt war. Schnell
war klar, dass der große See, der aus
heutiger Sicht direkt hinter dem jetzigen
Eingang des Parks liegt, ideal wäre. Er
bietet viel Fläche und liegt außerdem
an der vorderen Seite des Parks. Von dort
haben auch Besucher der Promenade und
des CentrO die Möglichkeit, das Geschehen
im Park zu beobachten. Bei der Recherche
der Boote bin ich auf die Firma R.E. Enterprises
aufmerksam geworden, die neben klassisch
runden Bumperboats auch Bumperboats in
Form von Piratenschiffen anbietet. Auch
diese haben Wasserkanonen an Board und
bieten 2 Personen genügend Platz. Die
Boote passten super zu dem See und der
dahinter liegenden Piratenschiffschaukel
und würden sich somit besser ins Bild
fügen als die runden Bumperboats, die
wir bisher in Betracht gezogen hatten.
Ab dem Moment,
wo eine Attraktion geplant wird, bis zum
Moment des tatsächlichen Kaufs kann jede
Menge geschehen. In der Zwischenzeit waren
unterschiedliche andere Ideen und vor
allem auch Termine in Betracht gekommen.
So entstand 2005 statt der Piratenflotte
der neue Eingang des CentrO.PARKs sowie
das Kettenkarussell. Die Planungen für
die Piratenflotte begannen erst wieder
im Spätsommer 2005. Während andere Freizeitparks
jeden Schritt mit der zuständigen Gemeinde
klären müssen, stimmen wir dies mit dem
Management des CentrO. ab. Der CentrO.PARK
ist ein Teil des CentrO., dem größten
Shopping- und Entertainmentzentrum in
Deutschland und gehört einem privaten
Investorenkonsortium. Zusammen dem CentrO.
Management wird Integration von neuen
Attraktionen besprochen und diskutiert.
Um uns und dem CentrO eine Idee zu geben,
wie die Attraktion später aussehen kann,
haben wir von Alexander Korting, der auch
die Entwürfe für den Wellenflieger und
den CentrO.PARK Eingang zeichnete, Illustrationen
der Piratenflotte anfertigen lassen. Anfang
2006 haben wir uns dann für die Boote
entschieden und sind damit bis heute der
einzige Kunde in Europa, der diese Boote
einsetzt.
Wo wir nun wussten,
welche Boote wir bekommen und wie der
Tiefgang ist. entstand eine neue Herausforderung:
Die Wassertiefe des Sees. Der See ist
künstlich anund mit Teichfolie ausgelegt.
Am Rand gibt es je nach Wasserstand teilweise
nur 30-40 cm Wassertiefe, an tieferen
Stellen können es auch gut und gerne schon
einmal 1,20 m und mehr sein. Es galt also
sicher zu stellen, dass die Boote und
deren Antriebspropeller den Seeboden nicht
berühren und zerstören. Parallel überlegten
wir, ob wir die Boote ab dem Einstiegsbereich
frei fahren lassen, oder aber eine Fahrspur
vorgeben würden. Größter Vorteil der Fahrspur
ist natürlich die Kapazität sowie die
recht genau kalkulierbare Fahrzeit je
Boot. Der Vorteil eines frei befahrbaren
Beckens liegt sowohl im Preis, da keine
Fahrbahn gebaut werden muss, als auch
in der Möglichkeit der Fahrgäste, selber
zu entscheiden ob man sich in ein Wassergefecht
stürzt oder vor diesem wegfährt.
Lange Zeit schien
es dann so, dass eine Fahrbahn rein technisch
schon nicht machbar ist. Grundproblem
war wieder die Teichfolie und die zusammenhängenden
Wasserflächen des Parks. Es besteht nämlich
keine Möglichkeit für Bauarbeiten den
See leer zu pumpen. Nötige Fundamente
für eine Schienenkonstruktion, ähnlich
wie Sie z.B. in Tripsdrill bei der Spritztour
genutzt wird, waren ebenfalls wegen der
Teichfolie nicht möglich. Verschiedene
Konzepte wurden mit einer lokalen Metallbaufirma
diskutiert. Eigentlich waren wir zu dem
Entschluss gekommen, dass eine Fahrbahn
nicht realisierbar ist (zumindest nicht
in einem Rahmen der zum finanziellen Aufwand
im Verhältnis steht). Doch dann kam in
einem gemeinsamen Gespräch das Stichwort
„schwimmende Fahrbahn“ auf. Innerhalb
weniger Tage wurde dann eine Teststrecke
gebaut und in einem örtlichen Teich eingelassen.
Schnell zeigte sich, dass die Idee unserer
Fahrstrecke evtl. doch realisierbar ist.
Eine Rohrkonstruktion wird unter Wasser
auf Abstand gehalten und gibt die Fahrstrecke
vor. Fundamente waren nicht nötig, da
der Auftrieb der wasserdichten Rohre die
Konstruktion schwimmen lies. Wir waren
begeistert und konnten uns um das nächste
Problem kümmern. Der Einstiegsbereich
zur Piratenflotte musste ein Schwimmsteg
sein, damit die Einstiegshöhe immer die
gleiche ist und außerdem der niedrige
Wasserstand am Rand des Wasserbeckens
überwunden werden konnte, denn dort kann
kein Boot mehr schwimmen.
Auf den Fotos
erkennt Ihr recht gut die massive Konstruktion
für ganzen Steg, der aufgrund des nötigen
Kontergewichtes auch auf Landseite recht
groß ausgefallen Um die Rohre nicht komplett
als störender Faktor auf dem See schwimmen
zu haben, haben wir uns dazu entschlossen
die Rohre Baumstämme zu lackieren. Als
dann die Boote Ende Mai kamen konnten
wir endlich die ersten Testfahrten machen
und schauen, ob die Idee auch praktisch
funktionierte. Und am 4. Juni war es dann
endlich soweit: Das Softopening der Piratenflotte
stand an. Über zwei Jahre hat es von der
ersten Idee bis zur Eröffnung gedauert,
was eigentlich nicht weiter ungewöhnlich
für einen Park ist. Manchmal geht es aber
auch schneller, wie unser Wellenflieger
gezeigt hat.
Bis heute hat
die Piratenflotte an schönen Tagen die
längste Warteschlange im Park. Teilweise
haben die Gäste über 1 Stunde für die
Piratenflotte angestanden und die Attraktion
kommt bei 99,99% der Gäste sehr gut an.
Die restlichen 0,01% sind Gäste, die sich
nach der Fahrt beschweren, dass Sie nass
geworden sind. Positiver Nebeneffekt durch
die neue Attraktion ist, dass die durchschnittliche
Verweildauer im Park sich um knapp 1 Stunde
zur Saison 2005 erhöht hat; wenn das kein
Erfolgsindikator ist.
Text:
Christian Ahuis
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