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Das Konzept ist nicht neu, aber in zahlreichen japanischen Hafenstädten hat es den gewünschten Erfolg gebracht. Wie an der "Tokyo Waterfront" oder im "Tempozan Harbor Village" in Osaka so sollte auch das in die Jahre gekommene Hafenviertel von Kobe durch Konferenzzentren und Freizeiteinrichtungen reanimiert werden. Die Weltausstellung im Jahr 1981 war wohl als Initialzündung für diesen Prozess gedacht. Sie hinterließ unter anderem einen Vergnügungspark namens "Portopialand". Der "Port Liner", eine Einschienenbahn, bringt die potentiellen Parkgäste bis zur Haltestelle "Minamikôen" und zum Haupteingang. Am Morgen, wenn sich nur wenige Besucher auf dem Gelände befinden, wirkt die Kulisse recht nüchtern: Spärlich gesäte Büsche und Bäumchen werfen nur sehr wenig Schatten und so knallt die Sonne in der heißen Jahreszeit unbarmherzig auf das rechteckige Parkgelände.

Doch wer sich von diesem ersten eher abschreckenden Eindruck täuschen lässt und auf einen Besuch des Portopialandes verzichtet, der verpasst zugleich die Gelegenheit, einige Unikate aus der Welt der Vergnügungsanlagen zu erleben. Außerdem wurden einzelne Attraktionen im Reich der beiden Parkmaskottchen Irumeri-kun und Ruruka-chan sehr phantasievoll thematisiert. Allzu häufig holte man sich dabei offensichtlich Anregungen aus dem fernen Bayern. Wer das Gelände betritt, steuert automatisch auf die kurze Main Street zu, die sich an der Nordseite des Parks entlang zieht. Fachwerkhäuser und Straßenlaternen sind in Anlehnung an mittelalterliche deutsche Städte gestaltet.

Am Ende der Straße begrüßt den Besucher ein schmiedeeiserner Torbogen. Hat man diesen am frühen Vormittag durchschritten, sollte man alle anderen Attraktionen im wahrsten Sinne des Wortes links liegen lassen und das 64 m hohe Riesenrad in der hinteren rechten Ecke des Geländes aufsuchen. Um diese Tageszeit empfiehlt sich eine Aussichtsfahrt besonders, da die Sonne gerade richtig steht, um aus der Höhe ungeblendet einen Blick auf den Park mit all seinen Attraktionen werfen zu können.

Im Zentrum befindet sich ein See, der nicht nur einer Segelschiff-Attrappe sondern auch der afrikanisch angehauchten Wildwasserbahn "River Boat" und dem "Giant Splash, einem Fahrgeschäft vom Typ "Shoot the Chutes" Platz bietet. Während sich die 400 m lange Fahrrinne des Flume Rides in unzähligen Kurven durch den See schlängelt, begnügt sich die zweite Wasserfahrt mit dem für diese Kategorie typischen schlichten Layout. Rund um den See gruppieren sich zahlreiche weitere Fahrgeschäfte wie ein "Super Loop on Top", ein "Fliegender Teppich" (Zierer), ein doppelstöckiges Pferdekarussel und ein "Condor" (Huss), der im Azteken-Look daherkommt.

Schon seit dem Eröffnungsjahr 1981 dreht der "Double Loop Coaster" seine Runden im hinteren Teil des Parks. Gleich zweimal bietet die in Zusammenarbeit von Schwarzkopf und Sansei entstandene Anlage die beliebte Loopingfahrt, bei der die Fahrgäste nur durch Schoßbügel gesichert werden. Im folgenden Streckenabschnitt folgt dann noch einmal ein bisschen Airtime, bevor der siebengliedrige Zug wieder in die Station zurückkehrt. Das "Panic House" ist ein drehendes Haus, wie es vor dem Erfolg der perfekten Illusionsschaukeln von Vekoma und Mack in zahlreichen Parks zu finden war.

Sechs Jahre nach dem "Double Loop Coaster" entstand ein weiteres Fahrgeschäft unter der Mitwirkung von Anton Schwarzkopf. Der auf dem Parkplan verzeichnete Name "BMR-X" verrät noch nicht viel. Der eingeweihte Besucher weiß allerdings, dass sich hinter dem Kürzel die "Bavarian Mountain Railroad" verbirgt. Es handelt sich um eine Achterbahn, die geschickt in ein künstliches Felsmassiv integriert wurde. Nach dem Erklingen einer penetranten Hupe fährt die Lokomotive an einem Wasserfall und zahlreichen Miniaturgebäuden vorbei und durch zahlreiche Helices. Im Inneren des Berges wird der Fahrgast von Lichteffekten überrascht.

Ebenfalls ein deutsches Thema greift der "Giant Wave Swinger" auf, dessen Gondeln mit dem bayrischen Landeswappen verziert wurden. Das 14 Meter hohe Kettenkarussell bietet in seinen Fahrgastträgern bis zu zwei Personen Platz.

Zum zehnjährigen Jubiläum im Jahr 1991 besann sich der damalige Präsident des Portopialandes Yoshihisa Tsuchida auf die erfolgreiche Zusammenarbeit mit deutschen Firmen in der Vergangenheit und bestellte bei Mack in Waldkirch die bis dato längste Bobbahn der Welt. Auf der 680 Meter langen Strecke fahren bis zu drei Züge, deren Chaisen im Design eines bayrischen Automobilherstellers gestaltet sind. Mit einer Maximalgeschwindigkeit von 60 km/h fahren die Züge über die "Münchner Autobahn". Die Station wurde im Stile des Münchner Rathauses errichtet. Das Angebot wird durch das Simulationskino "Interactive Theater Aqua Ride", die Geisterbahn mit dem verwirrenden Namen "Fun House" und den Sky Coaster "Cliff Hanger" ergänzt.

Die Hankyû Amusement Service AG, die den Vergnügungspark in Kobe betreibt, wollte diesen - genauso wie das Takarazuka Familyland in Osaka - in dieser Saison schließen. Nun hat sich die Stadt - nicht zuletzt aufgrund fehlender Alternativen für eine Nutzung des Geländes - dazu entschieden, den Park noch einmal für mindestens drei Jahre geöffnet zu lassen. Sollte sich die jährliche Besucherzahl, die im Jahr 1995 aufgrund des schweren Hanshin-Erdbebens nur noch 250.000 betrug und sich in den Folgejahren nur leicht erholte, in dieser Zeit trotz der internationalen Konkurrenz von Universal positiv entwickeln, will man erneut über eine Zukunft des Parks nachdenken.

Text: Stefan Rothaug



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