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  Überraschungen im Norden  
Bericht von Tobias Schefe

Der Trend ist unverkennbar: Nachdem sich zunächst nur Großkonzerne wie Disney oder Universal daran versuchten, Achterbahnen mit einer aufwendigen Geschichte und multimedialen Effekten zu verbinden, um die zu vermittelnde Geschichte so am eigenen Leib erfahrbar zu machen, sind in den letzten Jahren auch immer mehr eigenständige Parks diesem Vorbild gefolgt. Internationale Größen wie De Efteling mit dem fliegenden Holländer, aber auch kleinere Parks, wie Dollywood mit der Mystery Mine oder nun der Hansa-Park mit dem Fluch von Novgorod.

Aber worum geht es beim Fluch von Novgorod? Die bisher veröffentlichte Geschichte ist schnell zusammengefasst: Der junge Peer Oldendorp macht sich auf die Suche nach seinem verschollenen Vater und wird dabei mit dem Oberschurken Wolchov konfrontiert. Soweit zur Theorie; denn aufgrund des hohen, beim Bau betriebenen Aufwands und des wechselhaften Winters, kam es beim Bau zu deutlichen Verzögerungen, denen die Erzählung der Geschichte vorerst zum Opfer gefallen ist. So sind die angekündigten Themenfahrtszenen zwar bereits erkennbar, jedoch noch nicht fertig, geschweige denn in Betrieb. Lediglich Sprachfragmente in der Soundkulisse und Illustrationen an den Wänden der Warteschlange lassen den Besucher erahnen, dass noch mehr geplant ist.

Da die Attraktion Fluch von Novgorod in ihrer Gesamtheit also noch nicht fertig ist, werde ich mich im Folgenden auf die Achterbahn beschränken, die sich naturgemäß nicht mehr all zu stark verändern wird. Bei ihr handelt es sich um einen Eurofighter der Firma Gerstlauer, der neben dem markanten Senkrechtlift und der mehr als senkrechten Abfahrt (hier 97°) erstmalig zusätzlich einen elektromagnetischen Katapultstart bietet. Trotz des somit gleich doppelt vorhandenen Antriebs ist das Layout mit 0,75 km Länge erstaunlich kurz ausgefallen und schmiegt sich relativ schlicht in Form eines L an den südöstlichen Rand des Parks. Dieses wenig verschlungene Layout wurde von den Planern jedoch fast zur Hälfte in einem verkleinerten Nachbau des Kremls von Novgorod versteckt, welcher aus drei bis zu 40 Meter hohen Türmen besteht, die durch Tunnel und Rampen miteinander verbunden sind und so von den Achterbahnwagen gemeinsam in völliger Dunkelheit durchfahren werden können. Im kleinsten der drei Türme,befindet sich auch der Bahnhof der Achterbahn. Von dort aus starten die vier für Eurofighter typischen Einzelchaisen mit zwei Reihen für jeweils vier Personen auf ihre später bis zu drei Minuten dauernde Fahrt.

Da der sich an die Station anschließende Themenfahrtteil noch nicht fertig gestellt ist, folgen hier derzeit nur zwei ohne Halt durchfahrene Kurven im Dunkeln bevor der rasante Teil der Fahrt mit einer nahezu senkrechten Abfahrt auf die Beschleunigungsgerade beginnt. Kurz darauf wird der Wagen aus seinem bei der Abfahrt gewonnenen Tempo in 1,4 Sekunden auf rund 100 km/h beschleunigt, um in einer aufwärts führenden Rechtskurve durch eine Nebelwand ans Tageslicht zu treten und über einen vom Park als Top-Hat bezeichneten Hügel zu rasen - welcher den bisher bekannten Elementen selben Namens aber nur entfernt ähnlich sieht. Anschließend geht es über einen weiteren Hügel, auf dessen Scheitelpunkt die Schiene um 90° nach links geneigt ist, bevor der Wagen mit einer S-Kurve in den sogenannten Buchtknoten einfährt. Dieses dem gleichnamigen Seemannsknoten nachempfundene Fahrelement besteht aus einer 540°- Rechtskurve mit wechselnden Radien, dessen Ausfahrt parallel zur Einfahrt liegt. Danach folgt eine Rolle um die Herzlinie als einziger Überschlag der Bahn, bevor der Wagen abgebremst wird und innerhalb des Saviour-Towers komplett zum Stehen kommt.

Auch hier ist wohl die Erzählung eines Teils der Geschichte geplant. Aber momentan ist nur eine basslastige Soundkulisse zu vernehmen, bevor es - für den Gast überraschend - wieder in völliger Dunkelheit, auf dem Rücken liegend, knapp 30 Meter in die Höhe geht. Diesem Lift schließt sich die markante, 97° steile Abfahrt an. Danach geht es über einen Hügel mit 90°- Querneigung durch den Court-Tower wieder hinab in die Tiefe auf eine Gerade parallel zur Beschleunigungsstrecke. Wie es von dort wieder auf Stationsniveau geht, spare ich hier zugunsten eines Überraschungseffektes aus. Mit einer mit diesem verbundenen Ausnahme sind die während der gesamten Fahrt a u f t r e t e n d e n Beschleunigungen angenehm niedrig. Dies kommt natürlich dem Bestreben, eine Achterbahn für die ganze Familie zu bieten, sehr entgegen. Genauso wie die Tatsache, dass lediglich eine Mindestgröße von 125 Zentimetern und keinerlei Mindestalter vorgeschrieben sind.

Da sich derzeit noch wesentliche Teile der Gesamtattraktion im Bau befinden, muss mit einem endgültigen Urteil natürlich noch gewartet werden. Aber bereits jetzt ist der Fluch von Novgorod durch seine Kombination von gut einsehbaren Passagen im Freien und unerwarteten Fahrmanövern im Dunkeln eine wertvolle Bereicherung für die deutsche Achterbahnlandschaft. <<<

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