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Die Kirmessaison neigt sich gerade ihrem
Ende zu, und viele der Karussells sind
bereits eingelagert oder gastieren noch
auf Winterveranstaltungen. Ein jeder erfreut
sich an dem Glanz und den Lichtern der
Fahrgeschäfte auf der Kirmes, doch habt
ihr euch schon mal Gedanken gemacht, wie
euer Lieblings-Breakdance in die nächste
Stadt kommt, beziehungsweise auf was?
Wir beleuchten daher heute einmal das
Transportwesen der Schausteller und gewähren
einen kleinen Einblick in die Technik
und den Aufwand eine Attraktion zu transportieren.
Was ganz früher Pferde und später Traktoren
erledigt haben, wird heute natürlich von
modernen Zugmaschinen verrichtet. Kein
Wunder, reist der Schausteller doch im
Schnitt rund 5000km mit seiner Attraktion
pro Jahr. Daher hebt sich die typische
Schaustellerzugmaschine von anderen Trucks
deutlich ab. Meist waren dies einmal normale
Sattelzugmaschinen auf die eine Hilfstraverse
montiert wurde, die dann einen Kasten
oder Pritsche aufnehmen kann. Die dominierenden
Gründe für diese Auswahl der Konstruktion
liegen zum einen in der Manövrierfähigkeit
- die großen Karusselltransporte müssen
auf engen Kirmesplätzen frontal rangiert
werden, wozu eine kurze wendige Maschine
mit Last auf den Hinterachsen benötigt
wird. Zum anderen will man die Zugmaschine
kurz halten, um längere Transporte ziehen
zu können, ohne die Transportlängengrenze
zu sprengen. Außerdem eignet sich der
Aufbau hervorragend um Anbauteile, Kassenhäuschen
und den Knickarmkran zu beherbergen. Eher
selten kommt es vor, dass ein Mittelbau
als Auflieger gebaut wird, daher sieht
man im Schaustellerwesen meistens die
Zugmaschinen für Anhängertransporte. Da
die zu transportierende Masse oft sehr
hoch ist, liegt auch die Motorisierung
eher im oberen Bereich. 500-600PS sind
bei Schaustellern keine Seltenheit. Viele
greifen auch direkt auf die Schwerlastmodelle
zurück. Teilweise sind die Zugmaschinen
mit einer zusätzlichen Schwerlastkupplung
ausgestattet, um mit der Masse klar zu
kommen.
Zuletzt besticht natürlich die Optik,
meist sind die Maschinen reichlich verziert,
lackiert und dekoriert - oft im Stil des
Karussells oder des Unternehmens. Dies
geschieht ganz nach dem Prinzip "my home
is my castle", denn immerhin sind die
Schausteller fast immer auf Achse und
müssen auch für sich werben - da sind
schöne und gepflegte Transporte natürlich
von Vorteil.
Widmen wir uns nun den Transporten dahinter.
Allgemein heißt ein Transportanhänger
auch Rolle, diese unterscheiden sich dann
weiter. Zu erwähnen wäre der klassische
flache Anhänger, meist mit Karussell spezifischen
Aufbauten - Rungenwagen genannt. Einen
geschlossenen Anhänger nennt man auch
Kasten-, Koffer- oder Packwagen. Oftmals
dient dieser dann auch als Rückwandwagen.
Planenwagen finden meist Einsatz, wenn
große zu schützende Teile transportiert
werden müssen die später per Kran angebaut
werden - z.B. Gondeln.
Die detaillierte Beladung legt der Schausteller
selbst fest, natürlich spielt hier die
optische Ausführung der Attraktion noch
eine Rolle. Nur als Beispiel - es gibt
Autoskooter mit 3 und 6 Transporten. Bei
einer Karussellübergabe kommen Karussell
und Transporte in der Regel separat zusammen.
Vereinfacht gesagt baut Hersteller X das
Karussell, und von einem typischen Transporthersteller
kommen dann die Rollen, worauf das Karussell
nach Anpassung verladen wird. Gerade bei
Prototypen optimieren sich die Transporte
im Laufe der Zeit immer weiter. Für vereinzelte
Attraktionsarten gibt es auch typische
Multifunktionstransporte. So war es früher
üblich, dass im Kassenwagen noch das Büro
oder Schlafzimmer des Chefs und die Werkstatt
beheimatet war. Heute findet man dort
oft einen Teil der Chaisen mit untergebracht.
Beim Power Tower 2 ist der Rückwandwagen
gleichzeitig Führerhausstand und Elektronik
Zentrale.
Natürlich ist man bestrebt, die Anzahl
der Transporte niedrig zu halten, denn
dies bringt eine deutliche Kostenreduzierung
und auch Zeitersparnis. Dem gegenüber
steht das höhere Gewicht der einzelnen
Transporte. Heutige Rollen kommen oft
mehrachsig und mit Drehachsschemel daher.
Durch diese Gewichtszunahme tritt ein
stärkerer Verschleiß an Rollen und Zugmaschine
auf, zudem muss diese natürlich auch größer
dimensioniert werden. Viel wichtiger ist
bei einer Reduzierung der Transporte jedoch
die genaue Planung und Logistik der einzelnen
Anbauteile, denn die Beladung muss exakt
zu den Aufbauphasen der Attraktion passen.
Nur so können kurz aufeinanderfolgende
Festplätze auch eingehalten werden. Früher
hat man einfach zwei Rollen hintereinandergehangen
und die Anlagen waren grundsätzlich nicht
so aufwendig. Somit gab es das Problem
mit der Anzahl der Transporte in dem Umfang
wie heute nicht. Früher war es gang und
gebe, zwei Rollen aneinander zu hängen.
Aufgrund von neuen Auflagen der Straßenverkehrszulassungsordnung
(StVZO) und auch den heutigen schweren
Transporten sind diese Tandem Transporte
jedoch nicht mehr praktikabel.
Viele Schausteller bauen sich ihre Transportrollen
übrigens selbst und optimieren damit im
Laufe der Zeit die Transporte. Oftmals
dienen alte Containertransporte als Basis
und sind später nicht mehr von gekauften
zu unterscheiden - oder zum Teil noch
schöner.
Das größte Interesse der "Transportfetischisten"
- wie sie manchmal genannt werden - gilt
meist den Mittelbauten. Er kam im Karussellbau
ungefähr um 1890 auf und etablierte sich
dann im modernen Karussellbau nach dem
2ten Weltkrieg. Heute kann man ganze Anlagen
auf einem Mittelbau verladen. Populäres
Derivat dieser Bauart ist KMG´s "Afterburner
16".
In den meisten Fällen bildet er nicht
nur das Zentrum des Fahrgeschäfts, sondern
ist auch der schwerste Transport. Mittelbauten
bewegen sich in der Regel zwischen 20
und bis zu 70 Tonnen. Zudem kommt die
erhöhte Verantwortung des Transports,
da er auch in der Regel den höchsten Wert
hat. Daher sind Transportunfälle mit Mittelbauten
immer eine kritische Sache. 1997 fuhr
ein unaufmerksamer LKW Fahrer einem Schwarzkopf
Monster 3 auf. Der Mittelbau wurde daraufhin
komplett neu aufgebaut.
Anfang 2003 kippte die Antriebseinheit
des Power Tower 2 durch einen Fehler an
einer der Lenk-Achsen um. Der Schaden
hielt sich in Grenzen und konnte schnell
behoben werden. Zu dem Schaden am Fahrgeschäft
kommt immer auch der Ausfall der Spielzeit
hinzu. Hier ergibt sich ein Paradoxon
- der Transport eines Karussells ist für
die Existenz also gleichweg notwendig
wie risikoreich.
Gerade bei den Mittelbauten können, beziehungsweise
müssen sich die Konstrukteure so richtig
austoben, um den Anforderungen gerecht
zu werden. Er darf die eigentliche Karussell-Konstruktion
nicht groß beeinflussen, um beim Aufbau
nahtlos in ihr verschwinden zu können.
Der Mittelbau muss manövrierbar sein,
um ihn auf dem Kirmesplatz ausrichten
zu können. Und das wichtigste: er sollte
den Platz auch überhaupt erreichen können,
also kompatibel für die meisten Strassen
sein. Daher nimmt er eine wichtige Rolle
bei der Planung der Reiseroute ein.
Damit dies gegeben ist, setzen die Konstrukteure
lenkbare Achsen ein. Diese können mechanisch
bzw. hydraulisch zwangsgelenkt sein, oder
in seltenen Fällen hydraulisch verstellbare
Lenkungen haben. In letztem Fall kann
der Schausteller mittels einer Fernbedienung
den Mittelbau steuern und auf den Plätzen
ideal ausrichten. Während der Fahrt sind
diese Achsen dann arretiert bzw. nehmen
die Funktion einer zwangsgelenkten Achse
ein. Zwangsgelenkte Achsen orientieren
sich am Drehschemel der vorderen Achse,
früher oft mit Stahlseilen, heute eher
als Hydraulik mit einem Messzylinder an
der starren Achse. Diese Achse wird dann
minimal entgegengesetzt gelenkt. Dies
erfordert vom Fahrer natürlich eine erhöhte
Aufmerksamkeit, andererseits ist es nur
damit möglich, dass der lange Mittelbau
des geliebten Karussells die Serpentinenstraße
zum nächsten Spielort passieren kann.
Meistens sind die Achsen auch auf Schemeln
montiert, welche dann beim Aufbau abgenommen
werden. Dies ist z.B. bei jedem Autoskooter
der Fall.
Kommen wir zurück zur Verladung, denn
neben den Arten der Transporte spielt
das Gewicht eine große Rolle. In Deutschland
beträgt die maximale Last für nicht angetriebene
Achsen 10t. In seltenen Fällen sind mit
Spezialachsen und Sondergenehmigung 11t
möglich. Dies ist z.B. am Jumping Mittelbau
der Fall.[JUMPING] Demnach ergeben sich
teilweise sehr aufwändige Mittelbau Konstruktionen,
wie z.B. auch am Airwolf, Stargate und
Terminator.[STARGATE] Je nach Bauart setzt
man auch mehrere Achsen ein, um die Last
besser zu verteilen. Dadurch verringert
sich die Belastung an Konstruktion und
Reifen.
Auch Schaustellertransporte müssen sich
natürlich an die StVZO halten, und in
der ist geregelt, dass ein normaler beladener
Transport bis zu 40t schwer, und als kompletter
Sattelzug 16,5m bzw. Anhänger-Zug 18m
lang sein darf. Alles, was darüber hinaus
geht, benötigt eine Sondergenehmigung.
Inwieweit diese den Transport beeinflusst,
und wie die Auswirkungen sind (Begleitschutz
wäre z.B. eine seltene Maßnahme), wird
von jedem Land lokal verwaltet. Es kann
also sein, dass sich die Transportbedingungen
für ein Karussell an einer Landesgrenze
schlagartig ändern. Im Schaustellerwesen
ist es üblich, das man die Reiseroute
am Anfang eines Jahres beantragt, um die
Genehmigungen vorab zu erhalten. Das mag
sich vielleicht etwas streng anhören,
aber manch einer wird froh sein, dass
es diese Regelungen gibt, sie sorgen nämlich
auch für eine generelle Passierbarkeit.
Schaut man sich zum Beispiel die engen
Gassen von Soest an, kommt die Frage auf,
wie es ein Power Tower auf den Standplatz
geschafft hat, und daran dürften diese
Richtlinien nicht unschuldig sein.
Bevor Straßentransporte üblich wurden,
reisten die Attraktionen meist auf der
Schiene. Zugtransporte revolutionierten
das Transportwesen zum ersten mal, bot
sich doch damit erst die Möglichkeit,
sich über weite Strecken zu bewerben und
Plätze zu beschicken - in Zeiten von Pferden
oder Traktoren undenkbar! Diese Ära endete
Mitte der 80er Jahre, als die Bahn anfing,
kontinuierlich Verladerampen abzubauen,
und Transporte finanziell unattraktiv
zu machen.
Die "Wildwasser 3" von Löwenthal ist die
letzte Großattraktion, die weitestgehend
auf der Schiene transportiert wird. 2
Sonderzüge bringen die Container zu der
nächstmöglichen Verladestationen. Dort
nehmen die eigenen Containerlader die
Transporte dann huckepack, und es geht
zum Festplatz. So eine Aktion wie der
Transport von Bremen nach Frankfurt kostet
dann mal eben schlappe 40.000 Euro.
Aktuell hat die Regierung die Bahn aufgefordert,
den Abbau zu stoppen, um den Transport
via Schiene für Schausteller wieder attraktiver
zu machen.
Andere Großanlagen haben sich aber der
Situation angepasst und reisen weitestgehend
auf der Straße. Die Transportriesen sind
eindeutig Eurostar und Olympia Looping
mit ca. 80 beziehungsweise ca. 50 Transporten.
Sie stellen zusammen den weltweit größten
Transportaufwand für Fahrattraktionen.
Bei einer solchen Größenordnung ist es
üblich, dass für den Transport der Attraktion
ein separates Team verantwortlich ist.
Es gibt auch Firmen, die sich auf Schaustellertransporte
spezialisiert haben und bei Ressourcen
Engpässen oder Transporten über große
Strecken hinzugezogen werden. Dies ist
dann immer noch günstiger, als wenn der
Schausteller diese Strecke mehrmals fahren
müsste, um jeden Transport zu holen.
Schausteller genießen aufgrund ihrer historisch
gewachsenen Sonderstellung einige staatliche
Vergünstigungen im Transportwesen. So
brauchen sie unter normalen Umständen
keine Fahrtenschreiber zu führen. Ebenso
dürfen sie auch Sonn- und Feiertags mit
ihren Transporten unterwegs sein. Aktuell
kam noch die Mautbefreiung hinzu, sofern
alle Transporte bei der Mautfirma angemeldet
wurden.
Auch bei der Zulassung der Fahrzeuge gibt
es Unterschiede. Fahrzeuge mit grünen
Nummernschildern sind steuerbefreit. Dies
gilt in der Landwirtschaft und für Schausteller
Transporte. Kleinere Lokale Schausteller
haben manchmal ihre Transporte auf die
Zugmaschine mit angemeldet. Sie dürfen
dann jedoch nur mit 25km/h unterwegs sein.
Das spart die Kosten einer normalen Zulassung,
und auf die kleine Route gesehen ist dies
effektiver.
Das Thema ist komplexer, als manch einer
vielleicht eingangs angenommen hat, und
selbst diese vier Seiten reichen nur für
einen Überblick. Aber hoffentlich hat
es gereicht, um zu zeigen, wie aufwändig
die Arbeit der Schausteller ist, wenn
die Lichter ausgegangen sind, und der
letzte Besucher den Festplatz verlassen
hat.
Text:
Sebastian Schmidt
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