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Bericht
von Marcus Preis
Es war einmal
ein kleiner Junge, der freute sich nicht
nur auf Weihnachten oder seinen Geburtstag,
nein, er freute sich besonders auf die
Sommerkirmes - die Heddesdorfer Pfingstkirmes
- in seinem Geburtsort Neuwied. Und in
jedem Jahr, meist direkt am Eingang, da
stand sein Lieblingskarussell, die Bayernkurve.
Eine Fahrt war mangels Mut undenkbar,
jedoch stand er stundenlang am Rand und
schaute zu, wie die Bobs mit lautem Getose
ihre Runden drehten. Den Rest des Jahres
verbrachte der Junge damit, mit Hilfe
von Fischertechnik, Legosteinen und viel
Papier und Tesafilm seine Bayernkurve
im Kinderzimmer Wirklichkeit werden zu
lassen.
Es waren einmal zwei erwachsene Kirmesfans,
die machten sich auf den Weg zu einem
bis dato noch nicht bekannten Örtchen
im Münsterland namens Havixbeck. Dort
gab es eine kleine überschaubare Kirmes,
aber schon von weitem hörte man das unverwechselbare
Tosen, welches der eine der beiden Jungen
noch aus alten Kindertagen kannte.
Das Höllentaxi hält erstmals
in Havixbeck
Grund der Reise war die Premiere des Höllentaxis.
Im Gepäck hatten die beiden Kirmesfans
ein großes Premierengeschenk in Form eines
Kunstdruckes - Motiv: Ein fahrendes New
Yorker Taxi, passend zu den gelben Taxichaisen.
Und es war einmal ein Schausteller, der
hieß Michael Senk, der wollte auf der
Kirmes nicht immer nur Crepes in seinem
Eifelturmstand verkaufen. Er träumte vom
Kauf eines kleinen, aber schönen Karussells
für die ganze Familie. Als die Firma Park
and Ride Services Dröge in Herne vor zwei
Jahren das Clubschiff fertig gestellt
hatte, wurde ihm bei der Besichtigung
ein altes Höllentaxi von Schwarzkopf angeboten,
das Vorgängermodell der Bayernkurve (bei
der Bayernkurve sitzen die Fahrgäste hintereinander,
beim Höllentaxi nebeneinander). Michael
Senk beschloss, seinen Traum Wirklichkeit
werden zu lassen und entschloss sich im
Oktober 2005 zum Kauf der Bahn, die bereits
auf eine lange Geschichte zurückblickt.
Im April 1967 feierte das Höllentaxi unter
Fa. Renoldi Premiere, später wurde das
Geschäft an Fa. Staudenrausch verkauft.
Irgendwann ging es dann ins Ausland nach
Spanien und Frankreich, zuletzt stand
es in einem Park in Frankreich bevor es
wieder nach Deutschland kam und drei Jahre
in einer Halle eingelagert war.
Am 10. Oktober 2006 begann Schausteller
Senk mit den Restaurierungsarbeiten. Senk
wollte das Geschäft zunächst in Alpenblitz
umbenennen, zu Dekorationen in Après-Ski
Thematik fehlte ihm allerdings die Idee
zum Chaisendesign. Die Firma Dröge schlug
vor, den Namen beizubehalten, allerdings
die Thematisierung zu ändern, von ursprünglichen
Hexen- und Höllenmotiven auf Taxis in
einer amerikanischen Stadt.
Böcke und Sohle, sowie die Untergestelle
der Chaisen sind original und aufgearbeitet
worden. Die alten Aufgänge aus Holz mit
Blechriffelbeplankung wurden durch neue
aus leichterem Lochblech ersetzt, Rückwände
mit Dekoelementen sowie die Chaisen wurden
erneuert, überwiegend in Eigenregie.
Die Frontbeleuchtung ist mit 600 LEDs
ausgestattet (150 Watt), das entspricht
in Kappenbirnen ca. 6.000 Watt; die Lichtkästen,
die das Geschäft frontal anstrahlen, haben
je 10.000 Watt. Zum Umsetzen auf den Premierenplatz
wurden 3 Transporte benötigt, eine Optimierung
auf zwei Transporte wird angestrebt. Der
Aufbau dauerte mit zwei Personen etwa
24 Stunden, und nach 7 Stunden TÜV-Abnahme
konnte das Geschäft reibungslos an den
Start gehen. In der Mitte schmückt ein
Bassin mit 8.000 Litern Wasser die Bahn,
das neben Dekorationszwecken auch der
Stabilität des Geschäftes dient. Unter
der Bahn befindet sich ein Kompressor,
der für die Bremsen benötigt wird. Der
Zug bestehend aus 16 Cabs fährt etwa 40
km/h, das entspricht 14 Runden in der
Minute, bei einem Schienenkreisdurchmesser
von 17 Metern eine hohe Geschwindigkeit.
Theoretisch könnte der Zug auch rückwärts
fahren, dann müssten die Taxis aber vorschriftsmäßig
mit Bügelsystemen ausgestattet werden,
bei reinen Vorwärtsfahrten kann auf diese
verzichtet werden um das besondere Karussellfeeling
zu erhalten.
Im Tunnel befinden sich zwei Laseranlagen,
geliefert von Fa. Wanner Sound, eine dritte
Anlage in der Frontbeleuchtung ist geplant.
Erwähnenswert ist die mit viel Liebe zum
Detail gestaltete Rückwand, z.B. sind
alte Parkuhren dekorativ in das Geschäft
integriert worden. Die Dekoration wird
noch um zwei echte Flammen, einen Schriftzug
und weitere LEDs ergänzt. Auch das Kassenhaus
in Form eines amerikanischen Feuerwehrwagens
wird noch geliefert.
Der Umbau kostet 80% mehr, wie geplant
An Umbaukosten wurden die geplanten 100.000
Euro um etwa 80.000 Euro überschritten.
Nach neun Monaten bekommt eine Frau ihr
Kind, Michael Senks Traum ist nach neun
Monaten harter Arbeit Wirklichkeit geworden.
Und auch für den Verfasser dieses kitschig
geschriebenen Märchens ist ein Traum Wirklichkeit
geworden. Mit Tränen in den Augen beobachtete
er mit seinem Kirmesfreund in Havixbeck,
wie die Taxis mit lautem Getose seine
Runden drehten. Und jetzt konnte ihn keine
Angst der Welt mehr von einer Fahrt abhalten.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann
leben sie noch heute und befinden sich
gerade auf einem Kirmesplatz irgendwo
auf der Welt.
Wir gratulieren Herrn Senk zur Investitionsbereitschaft
und zur äußerst gelungenen Wiedergeburt
dieses Karusselltypes und wünschen ihm
viele gute Plätze und begeisterte Fahrgäste.
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