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Vor knapp einem 3/4 Jahr verbreitete sich
die Nachricht wie ein Lauffeuer: Europa
bekommt seinen ersten Intamin Megacoaster.
Der Holiday Park in Haßloch sollte
der Park sein, der diese große Investition
tätigt, und zwar in konsequenter
Weiterverfolgung der bisherigen Parkstrategie,
den Parkbesuchern nach Möglichkeit
Europa Premieren anzubieten.
Expedition GeForce wurde von Anfang an
mit großer Spannung erwartet und
die Bauarbeiten mit Interesse verfolgt.
Am 30.5.2001
zeichnete sich dann ab, dass es bis zur
Eröffnung nicht mehr lange dauern
könne. Der Schienenschluss des Megacoasters
wurde zelebriert. Von der Miss Rheinland-Pfalz,
Cornelia Nessel, bekamen die Montagearbeiter
um ca. 14:00 Uhr die goldene Schraube
überreicht, um die letzten Schienenstücke
miteinander zu verbinden.
Die ersten Testfahrten
waren bereits für die nächsten
Tage angesetzt. Schon zu dieser Zeit fiel
das interessante Layout der Bahn auf.
Aus der Mitte heraus betrachtet wirkt
sie sehr kompakt und bietet eine Fahrstrecke,
in der sich Twister- und Out&Back
Elemente abwechseln. Augenfällig
an der Strecke, die zum Teil auch über
den angrenzenden Donnerfluss führt,
ist vor allem der First Drop, der auf
einer Länge von mehreren Metern nahezu
senkrecht nach unten verläuft. Geplant
vom weltweit bekannten "Achterbahningenieur"
Werner Stengel kann EGF, wie die Bahn
von Fans kurz genannt wird, mit vielen
Neuerungen und einem interessanten Layout
aufwarten. Hier ein paar technische Daten
(Angaben des Parks):
Höchste
Erhebung: 62m
Länge: 1300m
Max. Geschwindigkeit: 120km/h
Durchschn. Geschwindigkeit: ca. 71 km/h
First Drop: 82 Grad Neigung mit Drehung
um 74 Grad
Anzahl Züge 2 á 7 Wagen =
28 Personen
Kapazität ca. 1300 Pers./h
Gesamtkosten: ca. 20 Mio. DM
Lift Aufzugssystem mit Zugschlitten (Big
Lift)
Verschleißfreie Wirbelstrombremsen
Am Montag, den
18.6.2001 hatte das Warten dann endlich
ein Ende. In einer feierlichen Zeremonie
wurde der Megacoaster mit einer Flasche
Champagner auf seinen Namen "Expedition
GeForce" getauft und für die
geladenen Gäste sowie einige Parkbesucher
freigegeben.
Unter den Ehrengästen befanden sich
auch Persönlichkeiten wie Roy Vocking
(Intamin) und natürlich Werner Stengel.
In der vorangegangenen
Pressekonferenz wurde die Bahn bereits
mit allerlei Vorschusslorbeeren bedacht.
So ließ sich etwa Roy Vocking (Vice
President, Intamin) zu der Anmerkung hinreißen,
dass dies, auch laut Aussage aller beteiligten
Ingenieure von Intamin, die schönste
Bahn dieses Typs sein, die man bisher
gebaut habe. Eine Behauptung, die es zu
diesem Zeitpunkt noch zu beweisen galt.
Aber auch Werner Stengel sparte nicht
mit Lob und wies noch einmal auf die Besonderheiten
der Bahn hin.
Als kleine Anekdote
am Rand sei noch erwähnt das der
TÜV dieses Mal durchaus etwas an
der Planung der Bahn zu bemängeln
hatte. So wünschte sich Herr Donislreiter
vom TÜV-München, welcher der
Bahn gerade zwei Stunden vorher die Sicherheit
bescheinigt hatte, für die nächsten
Bahnen vom Duo Stengel/lntamin die Berücksichtigung
von menschlichen Bedürfnissen bei
der Bahnabnahme. Das Durchsteigen der
Strecke von rund 1300 Metern dauert für
einen TÜV-Mitarbeiter gute sieben
Stunden und bei einer Stützenhöhe
von mindestens fünf Metern brächte
das, im Fall der Fälle, gewisse Probleme
mit sich, gab er zu bedenken.
Um kurz nach 16 Uhr setzte sich dann der
Tross langsam vom Pressezelt in Richtung
Megacoaster in Bewegung.
Nach der bereits
erwähnten Taufe durchschnitt der
rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister
und stellvertretender Ministerpräsident
das Band und erklärte das neue Areal
des Parks und die Achterbahn für
eröffnet, so dass die Anwesenden
das Basislager der "Expedition GeForce"
betreten konnten.
Neben den üblichen Souvenir Shops
finden sich hier auch Snack- und Spielmöglichkeiten.
Auch von der Thematisierung war schon
einiges zu erkennen. Zelte, Geländewagen
und Gepäck bzw. Ausrüstungsgegenstände,
die für eine Expedition benötigt
werden, vermitteln Abenteuerlust.
Um 16:30 Uhr
wurde zur Jungfernfahrt, bzw. zur ersten
offiziellen Fahrt der Bahn aufgerufen.
Da in der ersten Fahrt neben den Konstrukteuren
und Ehrengästen noch ein paar Plätze
frei waren, wurden diese unter den Anwesenden
verlost. Mit Spannung beobachteten die
Gäste die erste Fahrt. Kurz darauf
wurde die Bahn dann für die übrigen
Anwesenden geöffnet.
Die erste Besonderheit
erwartete uns gleich am Stationseingang.
Der Aufgang zur Station teilt sich in
zwei Spuren: Die Linke führt ausschließlich
zum ersten Wagen, die rechte zum Rest
des Zuges. Leider fehlte am Eröffnungstag
noch ein Hinweisschild darauf, sodass
zunächst bei einigen Gästen
Verwirrung aufkam. Inzwischen wurde die
Beschilderung der gesamten Anlage fertig
gestellt.
Wir absolvierten
unsere erste Fahrt im letzten Wagen. Nachdem
der Zug-Schlitten des Lifts den Mitnehmer
unter dem vorderen Wagen erfasst hat,
wird der Zug langsam auf den Lift gezogen.
Der Lift selbst ist sehr ruhig und wird
zum Ende hin immer schneller befahren.
Der verheißungsvolle Drop mit 82
Grad Neigungswinkel und einer Drehung
um 74 Grad ist von oben nicht mehr zu
erkennen. Kaum hat man die unverhinderliche
leichte Beschleunigung nach unten bemerkt
wird man förmlich in die Rückenlehne
(nicht jedoch die Sitzfläche) gedrückt
und während des Falls noch um die
Längsachse gedreht. GeForce reißt
die Fahrer regelrecht in die Tiefe, um
sie im ersten Tal mit reichlich positiven
G-Kräften (4,5 g) zu belohnen.
Kurz darauf darf man die Wirbelsäule
aber auch schon wieder strecken denn auf
dem folgenden Berg herrschen -1,1 g; Airtime
satt. Es folgt ein overbanked Turn mit
113 Grad Querneigung bevor der Zug nach
einem weiteren Hügel zum Sturz auf
den angrenzenden Donnerfluss ansetzt.
Nach dessen Überquerung geht es zwischen
den Baumwipfeln zurück durch die
erste, in den folgenden Drop integrierte,
Trimbrake (Wirbelstromtechnik).
Nach einer Rechtskurve folgt ein Umschwung,
ein Manöver, bei dem der Fahrgast
auf relativ kurzer Strecke, bei nahezu
0 G einmal komplett von einer Rechtsneigung
nach links gedreht wird um in den nächsten
Turnaround zu gleiten.
In den ersten Tagen war die Trimbrake
ein wenig zu stark eingestellt gewesen,
so dass man in der folgenden Kurve leichte
Hangtime hatte, doch das lag daran, dass
man mit den Einstellungsarbeiten noch
nicht ganz fertig geworden war. Die folgenden
Camelbacks sind wieder der pure Spaß
bevor eine zweite Trimbrake vor der Linkskurve
in Richtung Station den Zug abermals geringfügig
verlangsamt. Trotzdem können die
letzten Bunny Hops noch mit angenehmer
Airtime aufwarten bevor der Zug nach passieren
des Foto Points von der Endbremse sanft
zum stehen gebracht wird.
Ein gänzlich
anderes Fahrgefühl erwartet übrigens
die Fahrer des ersten Wagens. Selbst für
die vordersten Fahrgäste ist der
First Drop zunächst nicht sichtbar.
Man fällt praktisch ins Leere. Dominieren
hinten eher die positiven G-Kräfte,
so sind es vorne die negativen, die in
Hülle und Fülle vorhanden sind.
Airtime Fans sind also im Front Seat bestens
aufgehoben. Auch die Auswirkungen der
Trimbrakes sind vorne weitaus weniger
zu spüren als hinten.
Das Finale der
Bahn beruht übrigens auf der Empfehlung
des FKF. Während des Tripsdrill Events
letztes Jahr bat Herr Schneider, der Geschäftsführer
des Holiday Park, den FKF um eine Anregung
für das Finale der Bahn. Die Anwesenden
taten sich nicht schwer sich auf eine
Variante zu einigen. Die Empfehlung wurde,
wie sich nun zeigte, auch umgesetzt und
sorgt auch in der Praxis für gehörig
Fahrspaß.
Das Layout ist
extrem abwechslungsreich und wird selbst
nach mehrmaligem Fahren nicht langweilig.
Selten kann man mehr als etwa 30 Meter
weit sehen da die Bahn wunderbar in das
Gelände integriert wurde und auch
ein Großteil des vorhandenen Baumbestands
erhalten blieb. Expedition GeForce ist
ein Goaster der Spitzenklasse, der sich
nicht hinter seinen amerikanischen Vorgängern
verstecken muss.
Ein paar kleine
Anlaufprobleme gab es aber dann doch.
Das Abfertigen der Züge dauerte noch
extrem lang was sicherlich auch auf die
Anbringung der Sicherheitsgurte zurückzuführen
war. Wie auch schon bei Colossos hatte
Intamin auf den linken Sitzreihen (in
Fahrtrichtung) die Gurtschnallen innen
montiert. Dies ist vom Personal nur schwer
zu überprüfen.
Wie zu erfahren war, gibt es bereits Überlegungen,
die Gurtschnallen auf der linken Seite
ebenfalls nach außen zu verlegen.
Bei einem Besuch einige Tage später
war die Abfertigung der Züge aber
schon erheblich schneller was die Wartezeiten
in angenehmen Grenzen hielt. Schwerwiegender,
im wahrsten Sinne des Wortes, erschien
uns aber das Problem, dass etwas gewichtigeren
Mitmenschen die Fahrt auf EGF unter Umständen
versagt bleibt. Grund: die Gurte sind
recht knapp bemessen und lassen sich bei
größerem Leibesumfang nicht
schließen. Hier wäre mit etwas
längeren Gurten leicht Abhilfe zu
schaffen. Wie sich herausstellte, liegt
die Taillenumfangsgrenze nämlich
recht weit unten, was einige Fahrtanwärter
leider auch gleich zu spüren bekamen
(z.T. auch Leute, die auf Colossos ohne
Probleme mitfahren konnten). Hier sollte
Intamin doch noch mal über das Maß
des europäischen Durchschnittsbürgers
nachdenken.
Jetzt aber genug
der Kritik. Die Bahn wird wohl auf der
Hitliste eines jeden Achterbahn-Fans auf
den oberen Plätzen rangieren und
aufgrund ihrer vielen kleinen Neuerungen
weltweit für Interesse sorgen. Erst
Colossos, jetzt GeForce nun haben endlich
auch mal die Amerikaner einen Grund, neidisch
auf das kleine Deutschland zu blicken.
Text:
Michael Badelt
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