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Lange hat es gedauert, bis der erste Gliding Coaster von Reverchon seinen Weg nach Mitteleuropa gefunden hat. Eigentlich hatte der französische Hersteller bereits für die Winterpause 1999/2000 drei Auslieferungen dieser Bahn versprochen, der Prototyp namens Ala Delta ging dann jedoch erst Ende letzten Jahres an Miguel Angel Banuls López, der auch schon den Prototyp der vorhergehenden Achterbahnentwicklung von Reverchon, den Spinning Coaster aus dem Jahre 1996, in Empfang nehmen durfte.

Auf der Osterkirmes in Amsterdam präsentierte die niederländische Schaustellerfamilie Buwalda zum ersten Mal die zweite Ausgabe dieses Achterbahntyps. Genau wie Ala Delta folgte auch der Euro Coaster von Buwalda einer Spinning Mouse. Inzwischen haben sich Buwaldas zu einer Art Stammkunde von Reverchon Industries entwickelt. Neben der Crazy Mouse betreibt die Familie nämlich auch noch die Kleinausführung des Spinning Coasters und eine Wildwasserbahn.
Außer dem Bau der überaus erfolgreichen Spinning Mouse hatte Reverchon Industries (1990 aus der ursprünglich 1927 von Gaston Reverchon gegründeten Firma entstanden) recht wenig Erfahrungen mit dem Achterbahnbau. Man konnte ansonsten vor dem Gliding Coaster nur noch eine stationäre Familienachterbahn im französischen Freizeitpark Le Pal aus dem Jahre 1990 vorweisen. Trotzdem hat man es geschafft, nach über 20.000 Arbeitsstunden eine funktionsfähige Neuheit auf die Beine zustellen, die völlig eigenständig ist, obwohl die Grundideen von anderen bereits bestehenden Bahnen geklaut wurden.

Der Schienenverlauf lässt ganz klar den planungstechnischen Vorgänger Spinning Mouse erkennen. Und auch bei der Stützen Konstruktion sind Parallelen erkenntlich. Des Weiteren war die Grundidee, eine transportable Achterbahn zu realisieren, bei der die Fahrgäste unter der Schiene fahren sollten. Bereits seit der Premiere des Eurostar spukte dieses Konzept im Kopf vom Manager Gilles Reverchon herum. Man wollte jedoch eine Bahn in viel kleineren Abmessungen und auch in einer ganz anderen Preisklasse realisieren. Damit hat man sicherlich eine Marktlücke gefunden.
Kommen wir zur Fahrt, die ich erstmals auf der Kermis in Leeuwarden erleben durfte. Der Gliding Coaster, der übrigens sowohl nach den deutschen als auch den japanischen Richtlinien konstruiert worden ist, wurde aus engen Kurven und kleinen Abfahrten komponiert, die allesamt recht ungewöhnlich sind. Von weitem betrachtet mögen diese aussehen wie Haarnadelkurven einer gewöhnlichen Maus, sie haben jedoch einen völlig eigenen Charakter, der aus der seitlichen Neigung dieser resultiert.

Die Neigung ist übrigens nicht genau auf die Geschwindigkeit der Gondeln abgestimmt, was aber auch gar nicht notwendig war, da die Gondeln bis zu einem gewissen Grad die Möglichkeit haben, seitlich auszuschwingen. Stoßdämpfer verhindern, dass es zu einer wilden Pendele i kommt.
Die große Eigentümlichkeit der Abfahrten resultiert darin, dass diese recht schnell eine große Neigung erreichen, so dass die Radi der vertikal von den Schienen beschriebenen Kurven äußerst klein sind. Ähnlich ist dies z.B. auch bei den weit verbreiteten Pinfari-Achterbahnen, jedoch mit dem Unterschied, dass beim Gliding Coaster die Wagen unter der Schiene fahren. Für den Fahrgast fühlt sich das nun so an, als würde die Gondel jeweils vor und nach einer Abfahrt stehen bleiben, was im hochgelegenen Schwerpunkt der Gondelkonstruktion begründet ist.

12 Gondeln für jeweils vier Personen sind übrigens auf dem Eurocoaster im Einsatz. Ursprünglich geplant waren jedoch nur 10. Aus diesem Grund gibt es auch nicht genügend Blöcke auf der Strecke, als dass die höhere Gondelanzahl eine Kapazitätserhöhung mit sich bringen würde. Es bleibt die Frage, wie die Fahreigenschaften des Eurocoasters zu bewerten sind. Nimmt man den Projektnamen Gliding Coaster mal wörtlich, so muss man eingestehen, dass die Bahn weder das Gefühl des Schwebens noch des Gleitens imitieren kann, dafür ist die Abfolge der Elemente nämlich zu schnell und die Übergänge zu deutlich spürbar.

Geht man jedoch erwartungslos an diese absolut eigenständige Bahn heran, so muss man zugeben, dass sie Spaß macht und durch eine schnelle Abfolge der Elemente zu überzeugen weiß. Jeder, der auch Achterbahnen mag, die ein wenig Action bieten anstatt nur ein ruhiges Fahrgefühl, wird im Eurocoaster einen neuen Freund finden.

Einen Tipp möchte ich zu dieser Bahn, mit der ich zu jeder Zeit wieder mit Freude fahren würde, noch loswerden: Die Bahn bietet fast ausschließlich Linkskurven, so dass das Fahrgefühl am besten ist, wenn man sich ganz rechts in die Gondel setzt. Durch den größeren Kurvenradius ist dort die Fahrt ein wenig weicher.

Technische Daten
Lifthöhe: 16 m
Schienenlänge: 370 m Wagen: 12
Kapazität: 1000 P. /h
Geschwindigkeit: 12 m/s
Breite: 23 m
Tiefe: 44 Fm
Max. Belastung: 2,5 g

(Herstellerangaben)


Text: Ralph Latotzki

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