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Denkt ihr auf Volksfesten auch immer,
dass Laufgeschäfte langweilig sind
und immer nur das gleiche bieten? Dann
seid ihr bisher wahrscheinlich an allen
Cake Walks vorbeigelaufen oder ihr habe
noch nie einen zu Gesicht bekommen.
Letzteres wäre nicht gerade verwunderlich,
denn bekannt und beliebt sind derartige
Anlagen fast ausschließlich in Benelux.
Wegen ihres komplizierten Aufbaus, der
großen Standfläche und der
ungewohnten Front sind diese Häuser
auch nicht all zu weit verbreitet.
Ein wenig überspitzt möchte
ich mal die Meinung all derer zusammenfassen,
die mit mir einmal ein solches Laufgeschäft
besucht haben: Die meisten fanden die
Cake Walks absolut genial, vereinzelt
hörte man aber auch das Prädikat
"lebensgefährlich". Aber
liegt das nicht beides recht nahe beieinander?
Ein Gake Walk
ist ein Laufgeschäft, das ohne modernen
Schnickschnack auskommt und fast immer
folgende Ingredienzien hat: Wackelbrücken,
Fließbänder, Rutschen und Wackeltreppen,
die aus dem Bergbau als Steigkünste
bekannt sind. In der Vergnügungsbranche
sind diese auch als Shimmy-Treppen bekannt.
Der Name wurde von einem Tanz abgeleitet.
Der Reiz des Ganzen liegt darin, dass
alles ein wenig schneller läuft als
man dieses von gewöhnlichen Laufgeschäften
gewohnt ist. Die Fließbänder
laufen so schnell, dass man beim Aufspringen
fast nach hinten umkippt. Aus diesem Grund
gibt auch fast immer ein Mitarbeiter Hilfestellungen.
Die Wackelbrücken bewegen sich so
schnell, dass man auf ihnen auch jederzeit
kurz vorm umfallen ist. Und die Rutschen-Fließband
Kombinationen sind teilweise so aufgebaut,
dass man sich wie ein Koffer auf dem Flughafen
fühlt, der gerade zum Flugzeug befördert
wird.
Häufig
rutscht man in einem Gake Walk eine kurze
Rampe hinunter, die direkt auf ein Förderband
führt, dass über ein paar Unebenheiten
seine Fracht (den Besucher) auf ein weiteres
Fließband schmeißt, das rechtwinklig
zum ersten angeordnet ist. Dabei zieht
es einem die Beine weg, da die ganze Geschichte
nicht gerade langsam vonstatten geht und
man purzelt so schön durch die Gegend,
wie die Bilder auf der nächsten Seite
es zeigen.
Natürlich gibt es nicht in allen
Cake Walks immer all diese Einrichtungen,
manche sind auch harmloser als hier beschrieben.
Der TÜV scheint prinzipiell nichts
gegen derartige Anlagen zuhaben, die das
häufiger in Deutschland anzutreffende
Action House beweist.
Entstanden sind
die Cake Walks schon vor sehr langer Zeit.
Ursprünglich dienten die so genannten
Laufgeschäfte mit großer Tiefe
und kleiner Front nur als Beigabe zu den
Karussellpalästen vergangener Tage.
Doch dann stellte man fest, dass mit derartigen
Belustigungen auch Geld zu machen ist.
Und die Karussellpaläste sind ja
schon lange von den Festplätzen wieder
verschwunden.
Zum Kult geworden sind die Cake Walks
übrigens nicht nur wegen ihrer Einrichtung,
die für viel Spaß sorgt, sondern
auch durch ihre Funktion als Jugendtreff.
Auf gut besuchten Volksfesten werden Karten
für den mehrmaligen Besuch des Hauses
angeboten, selbst Tageskarten sind nicht
unüblich. Es ist möglich, den
Parcours eines Cake Walks wiederholt zu
durchlaufen, ohne dass man das Gebäude
verlassen muss. Wenn sich die richtige
Gruppe gefunden hat, macht es einen Riesenspaß,
die Grenzen der Anlagen immer weiter auszuloten.
Richtig Stimmung
kommt auch durch die Musik auf, die üblicherweise
von einem DJ, der gleichzeitig ein Auge
auf die Wackelbrücken wirft, gespielt
wird. Und damit auch wirklich niemand
das Gebäude verlassen muss, ist auch
ein Getränkeverkauf in den Gake Walk
integriert. Die Partystimmung ist also
gesichert. Statt Tanz gibt es hier Wackelbrücken,
aber auch auf denen tanzen alle im Takt!
Dieser Atmosphäre absolut nicht abträglich
ist die offene Gestaltung der Cake Walks.
Man kann meistens von jeder Stelle alle
Einrichtungen und damit auch alle Besucher
sehen. Dadurch ist sichergestellt, dass
sich auch wirklich jeder über die
Missgeschicke der anderen amüsieren
kann.
Wir können eigentlich nur hoffen,
dass die Cake Walks nicht aussterben.
Schon seit vielen Jahren gab es keinen
Nachschub mehr in diesem Bereich der Kirmesattraktionen.
Aber wenn man sich einmal anschaut, wie
gepflegt die Anlagen sind, braucht man
sich da wohl keine großen Sorgen
machen.
Text:
Ralph Latotzki
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