|
Eine
Kolumne von Marcel Ringhoff
Es ist schon eine ganze Weile her, dass
ein Freizeitparkprojekt so sehr für Wirbel
unter den Fans der Branche gesorgt hat
wie es in letzten Wochen und Monaten bei
"Deep in Africa - Black Mamba" der Fall
war und auch durchaus noch ist. Ich möchte
die nächsten Zeilen nutzen, um im Stil
einer Kolumne zu beleuchten, wie es zu
dem anhaltenden Hype kam und vielleicht
auch kommen musste. Danksagungen für die
kürzeste aller je von mir verfassten Einleitungen
nehme ich übrigens gerne entgegen. Doch
Spaß beiseite.
Drehen wir die Zeit ein wenig zurück.
Es sind die ausklingenden, wirtschaftlich
starken 1990er Jahre, in denen zwei Großprojekte
ihren Anfang nehmen. Die Rede ist zum
einen von Expedition GeForce im Holiday
Park und zum anderen von der Holzgroßachterbahn
Colossos im Heide-Park, die die Fanherzen
höher schlagen lassen. Beide werden 2001
eröffnen, ein Jahr später ein weiteres
Megaprojekt namens Silver Star im Europa-Park.
Es sind goldene Jahre, einem anderen Big
Player in Sachen deutscher Freizeitparklandschaft,
im Phantasialand, sind hingegen die Zeiten
nicht so rosig.
Zwar hat man mit dem Projekt Wuze Town
für das Jahr 2002 einen großen Joker im
Ärmel, krankt aber immer noch an dem Brand
der Gebirgsbahn aus dem Jahr 2001, der
bis auf einige wenige verrußte Reste nichts
von dem einstigen Wahrzeichen des Parks
übrig gelassen hat. So kommt es ein wenig,
wie es wohl kommen musste und man mag
das Jahr 2001 in Brühl am liebsten aus
dem Gedächtnis streichen. Die Vorfreude
auf Wuze Town erhält einen deutlichen
Dämpfer, muss man doch nun auch noch für
einen Ersatz am Ende der Westernstadt
sorgen. Am Ende stehen zwei Produkte,
denen die letzte Durchschlagskraft fehlt.
Um es mal subjektiv zu formulieren.
Spulen wir die Zeit jetzt wieder um ein
Jahr nach vorne. Es ist Anno 2003, und
ich verfasse eine Kolumne für die Park+Ride
mit dem Titel "Sind die fetten Jahre vorbei?"
Anlass sind die immer lauter werdenden
Unmutsäußerungen aus eben der Fanszene.
Erst soviel, jetzt gar nichts? Müssen
wir uns auf viele magere Jahre einstellen?
Dazu sei angemerkt, die New Economy Blase
ist endgültig geplatzt, die Umstellung
auf den Euro sorgt im Portmonee des Endverbrauchers
auch nicht für mehr Möglichkeiten, im
Gegenteil, und mit den Bestimmungen von
Basel II wird es nicht leichter, an entsprechende
Finanzierungen für Projekte dieser Größenordnungen
zu kommen. Das Prinzip Großattraktion
gleich großer Besucheransturm greift nicht,
und vielerorts konzentriert man sich auf
den Bau von Übernachtungskapazitäten,
um die Verweildauer der Besucher im jeweiligen
Park zu verlängern. Rückwirkend betrachtet
war dieses wohl eine logische, und vor
allem auch wichtige Zeit der Konsolidierung.
Und es ist auch die Zeit, in der ein Projekt
des Phantasialands zumindest gerüchteweise
erstmals größere Kreise zieht. Allerdings
wird es noch nicht besonders beachtet.
Mitte 2003 ist es das Hotel PhantAsia,
welches für Aufsehen sorgt. Erstmals kann
man in Brühl in einem Themenhotel übernachten.
Doch enervierend, wie der Fan nun mal
ist, heißt es hier zu gerne ganz salopp:
"Nett, toll anzuschauen, sicher besonders
gut für den Park - aber man kann es nicht
fahren." Was reichlich undifferenziert
klingt, mag vielleicht zusammengefasst
deutlicher werden. Halten wir fest: Es
gab Wuze Town, welches durchaus mehr Potential
gehabt hätte, es gab River Quest als Schnellersatz
für die offene Fläche, es gab den Beginn
und Ausbau des Wintertraumes, es gab eine
große Wintergarten-Show, die von einer
weiteren großen Show abgelöst wurde. Jetzt
gibt es das Hotel PhantAsia. Und doch,
es fehlt was. Vielleicht der letzte Kick,
wie er zuletzt 1998 mit Mystery Castle
geboten wurde?
2005 ist das Jahr der Gewissheit. Phantasialand
baut die Mamba, und es geht ein Raunen
durch die Reihen. Das Raunen hält umso
länger an, je mehr Details zum Gesamtprojekt
bekannt werden. In dieses Raunen gibt's
die ersten Rufer. Sie rufen die Überattraktion
für 2006 aus. Sie rufen streitwillige
Nachbarn auf den Plan. Sie rufen den ersten
Nachbau in einschlägigen Computerprogrammen
aus. Große Ereignisse werfen eben ihre
Schatten voraus, und die Schatten der
Mamba werden lang und länger. Es gibt
Baustellentourismus, eine Winterpause
voll Spekulationen, Bilder, Videos von
Testfahrten, und immer wieder Spekulation
über Spekulation. Ohja, bis Weihnachten
werden die Schatten eben auch kalendarisch
immer länger.
Letzter Zeitsprung: Es ist Anfang der
Saison 2006. Gott sei Dank werden alle
die Schatten endlich wieder kürzer. Jeder
normale Durchschnittseuropäer aus dem
Dunstkreis von Brühl ist jetzt eigentlich
fußballtraumatisiert. Jeder? Nein, eine
kleine Gruppe Interessierter kennt statt
rundem Leder erstmal nur runden Stahl.
Und eine ganz neue Spekulation: Wann macht
das Ganze wohl auf? Und während die Saison
so gar nicht losgehen will, weil weder
das Wetter noch die allgemeine Stimmung
dazu einladen, vergehen Ostern und die
ersten Maitage....
Der Rest ist beinahe Geschichte. Es gibt
die Bekanntgabe der Eröffnungstermine.
Es gibt den Preview-Tag, den Grand Opening-Tag,
den Vatertag 2006, das Welcomeback unserer
Englandtourler im Phantasialand, und Bewunderung
für den Themenbereich wohin man nur hört.
Leider gibt es auch Q-Line-Schmierereien,
und vermeintlichen Erste-ReiheÄrger. Darüberhinaus
gibt es Quickpässe, Soundtracks, einhellige
Meinungen, hunderte Einträge in europäischen
Foren, Fotos über Fotos, eine überraschend
gute Reportagen-Serie auf RTL II, neue
Gastroangebote im Park, und hoffentlich
gibt es bald auch ein persönliches Onride-Video.
Kurzum: "Deep in Africa - Black Mamba"
bietet einfach alles Nötige um in aller
Munde zu sein. Und genau da gehört es
auch hin. Dieses Mal ist ein Phantasialand-Projekt
eben nicht einfach nur fertig, nicht einfach
nur da. Nicht einfach nur ein Baustellen-Loch
im Vorfeld. Nein, dieses Mal ist es rund.
Dieses Mal passt es. Man kann es sogar
(er)fahren. Wir - und ich glaube, ich
darf das für 98% aller mir bekannten Vereinsmitglieder
sagen - finden die Bahn einfach toll.
Und wir sind da nicht die Einzigen. Die
Aufforderung kann nur lauten: Geht raus,
und lasst euch beißen!
Text:
Marcel Ringhoff
zur
Artikel-Auswahl
zum
Gesamt-Archiv
|