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Great Coasters International Inc.
Firmenportrait von Constantin Salaske

Wie schafft man es, einer leicht angestaubten Produktlinie neues Leben einzuhauchen? Wirtschaftswissenschaftler würden wohl zu einer Modifizierung und Neupositionierung raten. Ein echtes Patentrezept gibt es aber nicht; schon gar nicht, wenn es sich um hölzerne Achterbahnen handelt. Zu Beginn der 90er Jahre vielerorts als altmodische Coaster-Gattung verschrieen, schaffte es Great Coasters International Inc. jedoch innerhalb weniger Jahre den Holzachterbahnen ein echtes Revival zu bescheren. Wie sie das gemacht haben? Jedenfalls nur bedingt mit Modifizierung oder Neupositionierung. Im Hause GCII beruft man sich nämlich auf gute alte Traditionen.

1994 waren von über fünfzig neuen Achterbahnkreationen gerade einmal sechs aus Holz. Und wer spricht heute schon von einem Hurler in Kings Dominion, wenn seit jenem Jahr doch Bahnen wie Alton Towers’ Nemesis oder Big One auf Blackpool’s Pleasure Beach um die Gunst der Besucher buhlten. Und doch war es dieses Jahr, in dem Clair Hain und Michael Boodley ihre Firma GCII gründeten. Klassische Holzachterbahnen zu bauen, welche die gesamte Familie begeistern können, war ihr hehres Ziel.

Bis zur ersten Auslieferung dauerte es aber noch zwei weitere Jahre; doch 1996 war es dann soweit und die Wildcat im Hershey Park ging auf die Jagd nach ersten Fahrgästen. Rund fünf Millionen Dollar wurden in die gut einen Kilometer lange Bahn investiert, die Michael Boodley, der Designer der Anlage, als Hommage an die Wooden Coaster der 20er Jahre anlegte. Und direkt im Erstlingswerk sind schon die seitdem typischen GCII-Merkmale zu finden: Eine getwistete Streckenführung und Cross-Over mit einhergehenden Head-Chopper-Effekten soweit das Auge reicht.

Das Layout der nächsten Auslieferung „Roar“ war zunächst für einen schwedischen Stadtpark vorgesehen, landete letzten Endes aber in Six Flags America und wurde ein Jahr später noch einmal in Six Flags Marine World, dem heutigen Discovery Kingdom, kopiert. Erstmals wurden auf diesen Anlagen GCII’s Millennium-Flyer-Züge eingesetzt. Diese manövrierten extrem gut durch die kurvigen Layouts und zeichneten sich durch außergewöhnlich hohen Fahr- und besonders Sitzkomfort aus. Die folgenden zwei Anlagen wiesen erneut eine Besonderheit auf: Sie bestanden aus jeweils zwei eigenständigen Achterbahnen. 1999 fiel Gwazi in Busch Gardens Africa ein. Der nach einem mythischen Dschungelwesen - halb Tiger, halb Löwe - benannte Coaster hat zwei komplett unterschiedliche Layouts, auf welchen sich die Züge duellieren.

Der im Jahr 2000 eröffnete Lightning Racer hingegen erscheint zunächst als – wie der Name schon verrät – Racing Coaster, bevor im zweiten Teil duellierende Streckenteile hinzukommen. Diese fünfte von GCII ausgelieferte Achterbahn fand ihr Heim erneut im Hershey Park, der sich seither als einziger Park mit zwei bzw. sogar drei GCII-Kreationen rühmen darf. Lightning Racer belegt seit seinem ersten Rennen Top 10-Plätze bei der jährlichen Wahl zur besten Holzachterbahn und galt bei vielen Fans als das beste Werk der Ingenieure von Great Coasters International – bis Country-Star Dolly Parton ihren Woody orderte.

Thunderhead wurde das gute Stück getauft. Die Anlage hatte bei Eröffnung den höchsten Drop aller GCII-Bahnen und konnte auch mehr Kreuzungselemente aufweisen als ihre Geschwister. Aber noch ein weiteres Schmankerl zeichnete hier erstmals eine Achterbahn aus, welches inzwischen zu einem weiteren Markenzeichen des Herstellers wurde: der Station-Fly-Through. Nach etwa der Hälfte der Strecke donnert der Zug parallel zum Einstieg durch die Station. Ein Spektakel für Mitfahrer wie auch Wartende zugleich. Kein Wunder also, dass Thunderhead die gute Platzierung des Lightning Racers noch toppen konnte und somit GCII 2005 erstmals die Spitzenposition bei der Wahl zum besten Woody bescherte.

2006 wurde der erste GCIICoaster außerhalb des amerikanischen Kontinents erbaut. Thunderbird im finnischen Power Park darf sich nicht nur dieses Prädikat zuschreiben, sondern zugleich auch noch das der nördlichst gelegenen Holzachterbahn überhaupt. Beim ebenfalls in 2006 das Licht der Welt erblickenden Kentucky Rumbler konnte Great Coaster International beweisen, dass ihren getwisteten Achterbahnen wohl auch ein letztes, besonders bei frühen Anlagen moniertes Manko abhanden gekommen war: das Fehlen von Airtime.

Mit der Eröffnung von Troy im Toverland 2007 konnte sich endlich auch das Gros der FKFler von den Vorzügen eines Great Coasters International- Meisterstücks überzeugen, die keine halbe Weltreise unternehmen wollten. Direkt hinter der niederländischen Grenze wartet die höchste und schnellste GCII-Achterbahn auf ihre Mitfahrer. Und wieder einmal konnten die Ingenieure aus Pennsylvania beweisen, dass eine familientaugliche Attraktion alles andere als langweilig sein kann. Mit Renegade, der zweiten Auslieferung in 2007, wich Great Coasters International in Teilen von ihrem bewährten Konzept ab und präsentierte ein Out&Back inspiriertes Layout. Dem Fahrspaß allerdings tat dies keinen Abbruch. Seit den letzten drei Jahren zeichnet sich Great Coasters International vermehrt durch die Renovierung von Anlagen anderer Hersteller aus. Kuriositäten wie der Lost Coaster of Superstition Mountain gehören dabei ebenso zum Portfolio wie auch namhafte Konkurrenzkreationen wie Stampida oder Boulder Dash.

Nach einer Kopie des Thunderbirds für die Six Flags Gruppe im letzten Jahr, werden in diesem Jahr gleich drei verschiedene Anlagen ausgeliefert. Zwei Woodys gehen nach Nordamerika - der twisterige Terminator für Six Flags Magic Mountain und der Out&Back Prowler für Worlds of Fun. Auch Deutschland wird endlich mit einer Holzkreation aus Pennsylvania bedacht - der Forellenhof Plohn katapultierte sich mit El Toro auf die „Must see“-Landkarte der deutschen Freizeitparks. Einmal mehr beweist sich hier ein weiteres Prinzip von GCII. Durch die relativ kostengünstige Anschaffung eines ihrer Holzwunderwerke schaffen es kleine, zuvor eher unbekannte Parks große Beachtung bei Fans und vor allem der breiten Besuchermasse zu erreichen.

15 Anlagen wurden seit 1996 von Great Coasters International erbaut und alle haben eins gemein: In den Rekordlisten für die höchste, schnellste oder längste Holzachterbahn sind sie nicht vertreten. Fragt man aber einen Enthusiasten, was für eine Holzbahn sein Lieblingspark bauen solle, würde man vermutlich eine ganz klare Antwort bekommen: Einen Woody von GCII.